Blaschke ( Vlaske )

Blaschke, an der Bahnlinie Hannsdorf-Grulich gelegen, war eine deutsche Dorfgemeinde mit 480ha. Die Häuser des Ortes waren auf einer Meereshöhe von 440-510 m, im engen Tal der March, und über die anliegenden Hänge verteilt.
Blaschke wurde 1590 von der Eisenberger Herrschaft gegründet und mit Leuten der Umgebung besetzt. Auf dem Gemeindesiegel, mit der Aufschrift: PECZET . BLASCHKE, war ein Wappen mit einem Herz, in das drei Schwerter in Form eines Kreuzes eingestochen waren.

1677 hatte Blaschke 18 Einwohner, Richter war damals Paul Wagner. 1930 waren hier 46 Häuser mit 262 Einwohnern, davon 240 Deutsche und 22 Tschechen (1982: nur noch 12 Häuser mit 43 Einwohnern). Blaschke hatte eine 1-klassige deutsche Volksschule und eine Bahnhaltestelle eingepfarrt war der Ort nach Grumberg.
Der Schloßstein bei Blaschke war eine schöne und beliebte Sommerfrische. In der Gemeinde gedieh ein guter Flachs, und die Ortsbewohner waren als gute Flachsspinner bekannt.

Wenig ist noch über diesen Ort im Marchtal bekannt. Einige Bild-Dokumente, eine Karte, in diesem Falle die ein Ausschnitt aus der topografischen Karte von Freiwaldau von 1900.

Blaschke hat eine interessante Topografie. Die Bauernhöfe auf den Höhen auf der Südseite der March waren zu Fuß durch das Marchtal , und dann auf steilen Steigen den Hang hinauf erreichbar. Ein wenig umständlicher ist es gewesen, wenn man die Häuser mittels eines Wagens erreichen wollte. Dazu mußte man fast bis Krummwasser fahren. Auf der Karte sind die Wege als Strichpunktlinie eingezeichnet.

Nach der schriftlichen Aufstellung oben, wurde Blaschke 1590 gegründet. Die Region, zu der Blaschke gehört, hatte eine wechselvolle Geschichte, schon vor 1590 . Nicht sehr wesentlich hat sich die Ortsdichte in diesem Bereich seit 1325 erhöht. Einige Orte wie das Walbergsdorf, die Oberschar und das Krondörfel entstanden später, als nach dem 30-jährigen Krieg die Bevölkerungsdichte größer wurde. Die meisten Orte wurden offiziell nach 1300 gegründet.

Wenn man sich die Karte anschaut, könnte sich an der Stelle, wo der Grün-Bach in die March mündet schon früher eine Ansiedlung befunden haben.

Aber um zu diesem Schluß zu kommen, muß man ein wenig die Chroniken der umliegenden Orte kennen. Vor diesem Hintergrund könnte Blaschke ein ähnliches Schicksal erlitten haben, wie es zum Beispiel Neudorf hatte.

Gehen wir dazu etwas zurück in der Geschichte. 1325 gab der Herr von Goldenstein, dem diese ganze Region gehörte, Johann von Wustehube, Mährisch Altstadt und die dazu gehörenden Orte an das Kloster Kamenz. Es handelte sich wohl hierbei um ein damals übliches Ablaßgeschäft. In der Chronik von Mährisch Altstadt steht hierzu: es wurden die von altersher zu Goldeck (Mährisch Altstadt) gehörenden Dörfer mit an das Kloster gegeben. Dazu gehörten z.B. auch die beiden Woitzdorf. Man beachte: das offizielle Gründungsdatum von Woitzdorf wird mit 1325 angegeben. Zu dieser Zeit aber waren das schon vorhandene Dörfer, dieses Gründungsdatum ist also nur das Datum der ersten Erwähnung, nicht aber das richtige Gründungsdatum. Dörfer wuchsen nur langsam, und ein Dorf mit einer Neugründung einer Kolonie kann man sicher mit 100 - 150 Jahren annehmen. So käme die richtige Gründung wohl etwa ins Jahr 1200. Was hat nun Neudorf damit zu tun? Das zweite Woitzdorf stand an der Stelle des Ortes Neudorf. Wie alle anderen Orte im Marchtal, wurden auch diese durch die Vernichtungsfeldzüge der Hussiten im Jahre 1423 vollkommen zerstört, und waren für einige Jahrzehnte Wüstungen. Woitzdorf wurde ca. um 1500 wieder neu gegründet, Neudorf unter neuem Namen wieder an gleicher Stelle, jedoch um einiges später.

Das gleiche Schicksal könnte auch Blaschke wiederfahren sein, schlimmer noch als die etwas weiter entfernten Orte könnte Blaschke der Vernichtung durch die Hussitten ausgesetzt gewesen sein.

Neugründungen wurden in der Regel an der Stelle der alten Siedlungen durchgeführt. Auch funktionelle Gebäude wie z.B. Kirchen wurden wohl an gleicher Stelle auf den alten Fundamenten errichtet.

Vor 1423 war das Marchtal eine Verkehrsader, in der aller Warenverkehr von den Gebieten um Freiwaldau, Jägerndorf usw. nach Böhmen durch dieses enge Tal zog. Die Ur-Keimzelle von Blaschke könnte eine Raststation an dieser Straße gewesen sein. Nach der Vernichtung durch die Hussitten war ein Wiederaufbau nicht mehr notwendig, weil es für einige Jahrzehnte keinen Warenaustausch mit Böhmen mehr gab.

Diese Überlegung führt zu dem Schluß, das die Hussitenfeldzüge nur vorgeschoben eine religiöse Ursache hatten. Der böhmische Adel war Nutznießer dieser Kriege, er verlor dadurch nichts - aber er konnte seine Waren wieder ohne Konkurrenz absetzen.

Hier der bereits angesprochene Schloßstein:
Einige Häuser von Blaschke vom nahegelegenen Sauberg aus aufgenommen ,1982.
Einige Bilder aus den Jahren 1960 - 1980, aus dem Bestand des Hauses Mähr.Schönberg in Bad Hersfeld
Eine Luftaufnahme von Blaschke aus dem Jahre 2006
1 - Der Hauptort von Blaschke

2 - Der zu Woitzdorf gehörende Ortsteil Oberschar

3 - Das zu Blaschke gehörende Gebäude auf dem Schloßsteim